Karneval/jb

 

Wir haben schon länger die Bienen beobachtet und was sie am liebsten essen mögen. Und auch wenn unsere Mutter das nicht wollte, haben wir sie gefüttert. Wir haben im Frühling die Salami aus dem Kühlschrank geholt und gesagt wir haben Hunger, und im Sommer den Honig auf die Terasse gestellt. Bienen mögen ja Honig, haben wir gedacht. Und jetzt wohnen sie hier, direkt unter dem Fenster. Mein Bruder und ich finden das super, wir hatten noch nie so viele Haustiere. Einmal haben wir versucht, sie zu zählen. Aber bei 100003 wussten wir nicht mehr, wie man weiter zählt. Trotzdem sind das mehr Haustiere, als meine ganze Klasse zusammen hat, und sogar zusammen mit der Klasse von meinem Bruder. Und bei denen hat ein Junge Flöhe, meine Mutter hat gesagt, dass man von denen auch ganz schnell viele hat.

Meine Mutter will die Bienen loswerden, sie sagt die würden uns weh tun. Aber das ist mir noch nie passiert, und auch meinen Freunden noch nicht. Wir zeigen unsere Bienen nämlich immer stolz rum. Man muss nur nett zu ihnen sein, die Bienen sind ja auch nett miteinander, nur meine Mutter füttert sie halt nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mit den Bienen reden kann, und dann wissen sie alle zusammen Bescheid. Als sie gekommen sind, waren sie auch erst alle auf einem Haufen, bis sie unser schönes Fenster gefunden haben. Erst dann waren sie glücklich und sind allein rumgeflogen, aber sie sind immer irgendwie eins geblieben. Das ist ein Problem, denn eigentlich wollten mein Bruder und ich zu Karneval Napoleon und Imker werden, und dann wollten wir die Bienen natürlich mitnehmen, jeder eine Hälfte (das mit dem Zählen wird schwierig). Dann hat einer eine Armee, und der andere kann der Schule zeigen, wie nett die Bienen eigentlich sind (aber Napoleon hat seine Armee natürlich auch unter Kontrolle, denn wenn sich die Lehrerin sonst aufregt, würde sie Ärger von den Bienen bekommen. Das wollen wir ja nicht). Und am nächsten Tag dann können wir dann die Kostüme wechseln.

Wir haben das mit dem Teilen mal ausprobiert, aber dann gab es das Problem. Die Bienen wollten sich nämlich nicht teilen lassen, sie sind ganz schön wütend um uns rum gesummt. Da war klar, dass Napoleon seine ganze Armee bekommt. Und wenn die Mama bis Karneval versucht, unsere Bienen los zu werden, dann werden wir ja sehen, wie stark Napoleons Armee wirklich ist.

selbstversorger/fl

 

verfickte kackscheiße. will man einmal seinen blöden honig selber machen, und so eine scheiß biene sticht einen beim pissen mitten in die fresse. scheiß drecksviecher. und dumm, dumm wie scheiße, stirbt auch noch dabei, und ich seh aus wie quasimodo. morgen fackel ich die dinger ab und kauf mir wieder den billohonig beim edeka. scheiß bienen. scheiß natur.

 

fls schwarzgelbe Begegnung/jk

summ summ summ summ summ summ summ
summ summ summ summ summ summ summ
summ summ summummumumum summ summ
sssssssssumm summ summ ssssssssumm summ
summ summuumm summ
ssssssssssumm
ssss
sss
ss
s
u
m
mm
mmm
mmmm
summ summ
sss…
stich
autsch
klatsch
-

 

Hinter Türenwaben/jk

 

eifriges Türenöffnen und verschließen
wabernde Ahnungen
vor verheißungsvollen Waben
Tummeln und Wuseln im
schummrigen Zwielicht
hinter den Türen

rein und raus
und raus und rein
emsig emsig
fleißig Bienelein

die Biene als ein stolzes Tier
teils unwissend ihrer großen Aufgabe
hat sie doch in diesen Zeiten
viel zu verantworten
in unserer Gesellschaft
und trotzt deren Unverständnis

rein und raus
und raus und rein
emsig emsig
fleißig Bienelein

durch Türenwaben im steten Wechsel
bestäuben und sich putzen
rein und raus geschäftig unterwegs
endlose ergebene Emsigkeit
im längsten Geschäft der Welt*
als Notwendigkeit zur menschlichen Existenz

rein und raus
und raus und rein
emsig emsig
danke - fleißig Bienelein

*Der »Bienenstock« ist ein Bordell in Heidelberg.

Πυρκαγιά (In Flammen)/eg

 

Ich laufe an einem Gebäube vorbei. Ein Gebäude, das aussieht, wie der versteinerte Kokon eines nichtirdischen Wesens. Es brummt in diesem Gebäude, man hört laute himmlische Gesänge. So laut und wirr steigt der Gesang Vers für Vers hinauf, wie der Dampf eines immer schneller kochenden Gerichts und man merkt, viele halbleere Herzen werden dadurch satt.– Mit kindlich langsamem Schritt nähere ich mich der Türe hin und schaue schüchtern durch den schweren Bleirahmen hinein. Ansammlungen von zitterndem Schwarz vor hellem Gold, so glänzt das Innere schwarz-golden  heraus. Einst trug ich meine Liebsten Hand an Hand in Träumen hierherein, doch heute will ich keiner mehr von ihnen sein, selbst wenn mir dabei mein Herz ganz schwer wird. Ja, ich weiß immer noch nicht ganz warum.– Ich sehe da drin' ein Kind nach einer Kerze greifen und ich helfe ihm dabei. Zusammen zünden wir sie an. Ich schreichele ihm langsam seinen Kopf, als wäre's ein Abschied ein für allemal. Das wie vielte Abschied ist dies von ihm, frage ich mich. Doch weiß ich, dass es wohl auch sein Wunsch sei. Ich gehe zu der Wand, wo keiner hinschaut. Alle sind so tief versunken im ewigen Gesang. Langsam zünde ich das Holz an. Wachs verbrennt Wachs. Gleichgültig, aber auch ein wenig seelenverloren laufe ich dann heraus. Wieder bleibe ich am schweren Blei stehen. Einst der Ort vieler zweifelhafter Hoffnungen.– Und der Bienenstock brennt. Immer noch brummend, immer noch dampfend; doch diesmal im goldenen Schwarz. Ein letzter Augenblick noch. Auf dem Altar liegt nur noch der blutrote Samt, in Flammen, doch die Königin– sie ist schon längst tot.
 

At the Hive/kg

 

I have always been a prisoner at the colony. I was born here, and I have always felt like all the others are together and I am alone. They used to come swarming to me and demand I get to work. Work on what? What do they want me to do? Their directions were very unclear, and they varied from time to time. They eventually realized I was physically unsuitable for the tasks they delegated me and decided I was unfit for any labor. And so, I was given the simple task of guarding the gates. From the inside, that is. A simple task for a simple prisoner. Had I been given the task of guarding the gates against the outside, against foreign danger, maybe this would have been something to be proud of. But I do not think I would’ve liked that anyway. The inside is safe from threats. This is not to say that I am not in danger on the inside, but I think if I remain quiet and fly under the radar, I might remain undetected for the rest of my short life.

I often find myself thinking about all the possibilities outside of the Hive. I do not think about running away. I believe it is impossible and it wouldn’t be of much use to me. All I know and will ever know is the Hive. The others feel the same, but they do not need to be conscious of it. My condition dictates, however, that I am always very cautious of my surroundings. Therefore, I do not fantasize about leaving the Hive. What I do find very intriguing, is the thought of other Hives, other colonies like ours. Unlike the others, I am certain of their existence. I am not very talented in many things, or perhaps, anything at all, but I am very diligent. During one of my night shifts, specifically, during the past winter solstice, I noticed one of the incoming packages from the outside had a piece of its wrapping torn. I pretended not to take notice of it, but I was very aware it had a symbol on it. Three wings connected at the center. Unlike the symbol of our colony, this one had a silver plate under the wings. Ours do not. I have ever since thought about the members of the other Hives. What did they look like? Were they perhaps in general 2 or 3 cm shorter than the rest, so that their relative short height was not seen as such, but was rather viewed as normal? Could they, upon sight of me, recognize me as one of their own? Would they speak in a different dialect relative to their surroundings and would I be able to acquire it over time? Would I eventually speak it like I speak my supposed first language, or would I be forever marked by this difference so that despite my origins, they would still perceive me as another?

Such ideas come to me at the thought of there being other colonies. You might understand why this thought has grown very bothersome. The outside is not something to fantasize about but something to fear. Even if there are others of my kind, they would probably reject me. I am already an outcast and already a hybrid. I might look like them, maybe eventually I could learn to speak like them. But the one thing I will never be is a normal honey bee.

 

Unbenanntes-Projekt_edited.jpg

Bienenstock